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Kloster Rettel

Das »Kloster Rettel« in Rettel an der französischen Obermosel war über Jahrhunderte hinweg eine bedeutende Benediktinerabtei. Seit dem 15. Jahrhundert war das Kloster Rettel ein wichtiges Kartäuserkloster in Lothringen.

   

Geschichte

Die Anfänge des Klosters liegen im Dunkeln. Nach der Retteler Überlieferung galt im Jahr 800 »Effetia« als Gründerin des Ortes. Sie soll angeblich eine Schwester Karls des Großen gewesen sein und im nahen Haute-Contz ihre Residenz gehabt haben. Der Geschichtsforschung ist sie jedoch nicht bekannt. Möglicherweise könnte sie aber auch eine Schwester Hildegards, der zweiten Gemahlin Karis des Großen gewesen sein.

Das Kloster war ursprünglich ein Frauenkloster. Es soll durch Papst Leo III. (von 795 bis 816) zu Ehren des Papstes Sixtus (möglicherweise handelte es sich hierbei um Papst Sixtus III., 432-440) geweiht worden sein. Bekannt ist heute Papst Leo III. durch die Krönung von Karl dem Großen im Jahr 800. Die Klosterweihe könnte entweder im Jahr 799 oder im Jahr 804 gewesen sein, denn in diesen Jahren weilte der Papst in unsere Region.

Die Vogtei über Rettel hatten 1193 - vermutlich als Lehen der Herzöge von Lothringen - die Herren der nahen Burg Sierck.

Die Abtei scheint zu Anfang des 15. Jahrhunderts zerstört worden zu sein. Auf Betreiben Margarethas, der Witwe des Herzogs Karls II. von Lothringen, wurde sie im Jahre 1431 den Kartäusem (Mönche) übertragen.

Das Klostergebäude wurde 1467 dem Dechanten des Landkapitels Perl übertragen, der dort mit fünf Geistlichen eine Klerikergemeinschaft bilden sollte.

Der Visitationsbericht von 1743 bietet für die Pfarrei Rettel folgende Einzelheiten:

Die Kartause (von spätmittelhochdeutsch karthūs unter Anlehnung an: hūs →Haus), älter: chartusey mittellateinisch Cartusia, nach dem südfranzösischen Kloster Chartreuse bei Grenoble)  war aufgrund ihres exklusiven Zehntrechts in der Gemarkung baupflichtig für Chor und Schiff der Kirche. Der Prior der Karthause übte das Pastronatsrecht aus und bestellte für die Seelsorge einen Vikar, der in der Karthause wohnte.

Bei der Neuordnung der kirchlichen Verhältnisse in französischer Zeit (1802) blieb Rettel als Hilfspfarrei (Sukkursale) der Kantonspfarrei Sierck bestehen.

In Apach, Sehndorf, Wochern, Borg und Teilen von Tünsdorf besaß die 1431 gegründete Kartause in Rettel Güter und Rechte. Diese gehen zurück auf ältere Besitzungen der Benediktinerabtei St. Sixtus in Rettel, welche 1084 bezeugt sind.

Einer der großen Höfe in Wochern, der heute unter Denkmalschutz stehende ›Dundeshof‹ (Donatusring 8), gehörte so ebenfalls dem Kloster Rettel, dessen Wappen mit dem lothringischen Doppelkreuz noch an dem Portal des alten Hauseinganges zu erkennen ist.

Diese Besitzrechte sollen auch Namensgeber der heutigen Weinlagenbezeichnung »Sehndorfer Klosterberg« sein.

So ist überliefert, dass die Einwohner von Borg 1718 den Prior der Karthause um die Überlassung von Bauholz für ihre Kirche baten, die 1728 vollendet war.

Im 2. Viertel des 18. Jahrhunderts erfolgte ein Neubau des Klosters Rettel nach dem Vorbild der ›Kartause von Bosserville‹ (bei Nancy, Département Meurthe-et-Moselle), die im Jahr 1632 durch Herzog Karl IV. von Lothringen gestiftet wurde und in der nach seinem Tode 1697 hier beigesetzt wurde.

Bosserville ist eines der besterhaltenen Kartäuserklöster des Barock in Frankreich. Die symmetrische Anlage mit zentraler, einschiffiger Klosterkirche mit schlossartigen Seitenflügeln zur Schauseite mit Terrasse und Freitreppe zum Ufer der Meurthe, die eine insgesamt 130 m breite Fassade bildet, war präformativ für weitere Kartäuserklöster der Region (→ Kloster Karthaus, Kloster Rettel)

Während der Französischen Revolution wurde das Kloster Rettel aufgehoben und die Gebäude zum Abbruch versteigert.

Das Kloster hatte eine bekannte Kunstwerkstatt. Noch heute sind viele Holzschnitzereien und Gemälde, Altäre und Heiligenfiguren in den umliegenden Kirchen und Kapellen vorhanden, die aus der »Retteler Werkstatt« stammen, so auch die Barockältere der Perler Kirche.

Postkarte aus dem Jahr 1906

Danach richteten sich Dominikanerinnen in den Ruinen der Kartause ein Kloster ein. Nach schweren Beschädigungen 1944 durch den Zweiten Weltkrieg wurde das Kloster endgültig aufgegeben. Erhalten sind nur Reste der Seitenflügel des Klosters und einige Fundamente.

Die wenigen erhaltenen Baureste und v.a. ein Stich des 18. Jahrhunderts geben uns jedoch ein zuverlässiges Bild vom barocken Kartäuserkloster:

Die einschiffige Kirche hatte zur Mosel hin eine Fassade mit monumentaler Säulenordnung, flankiert durch schlossartige Klosterflügel. Dahinter lag der große rechteckige Kreuzgang mit Klostergarten und den Einzelhäusern der Mönche.


Quelle:  Buch: "Siedlung und  Pfarrorganisation im alten Erzbistum Trier" des Bistumsarchiv von Trier, kathpedia.com, www.geocities.ws,